Der Konsum von Cannabis ist legal – das Fahren unter Einfluss jedoch nicht folgenlos. Wer mit Cannabis am Steuer kontrolliert wird, muss mit Bußgeld, Punkten in Flensburg und einem Fahrverbot rechnen. Entscheidend sind die THC-Werte im Blut sowie die Frage, ob eine Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit vorlag. Wir erklären alles Wichtige zu Cannabis am Steuer und wann sich ein Einspruch lohnt.
Cannabis-Rechner: Jetzt Strafe für Cannabis am Steuer ermitteln
Sie wurden mit THC im Blut kontrolliert? Unser Cannabis-Rechner hilft Ihnen dabei, mögliche Strafen bei Cannabis am Steuer besser einzuschätzen. Nach Eingabe Ihres gemessenen THC-Werts und weiterer Angaben erhalten Sie eine rechtliche Orientierung zu Bußgeld, Punkten und Führerscheinmaßnahmen.Wichtig: Das Ergebnis ist unverbindlich und berücksichtigt nicht alle individuellen Besonderheiten Ihres Falls.
Cannabis-Rechner Verkehrsstrafrecht
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Cannabis am Steuer: Das Wichtigste in Kürze
- Der gesetzliche THC-Grenzwert liegt bei 3,5 ng/ml Blutserum.
- Bei Ausfallerscheinungen kann es auch unterhalb des Grenzwerts strafbar werden. Dann steht nicht nur eine Ordnungswidrigkeit, sondern unter Umständen eine Straftat im Raum.
- In der Probezeit und unter 21 Jahren gilt ein absolutes Cannabisverbot.
- Wiederholte Verstöße oder hohe THC-Werte können zur MPU und zum Entzug der Fahrerlaubnis führen.
Die wichtigsten Fragen zu Cannabis am Steuer
Bußgeldkatalog 2026: Cannabis am Steuer
Strafen für Cannabis am Steuer im Überblick , Stand 27.02.2026
| Verstoß | Bußgeld | Punkte | Fahrverbot |
|---|---|---|---|
| Grenzwert von 3,5 ng/ml erstmals überschritten | 500 € | 2 Punkte | 1 Monat |
| Wiederholungstat | 1.000 € | 2 Punkte | 3 Monate |
| Dritte Auffälligkeit | 1.500 € | 2 Punkte | 3 Monate |
| Mischkonsum (z. B. Cannabis + Alkohol) | 1.000 € | 2 Punkte | 1 Monat |
| Gefährdung anderer oder Unfall | Geldstrafe oder Freiheitsstrafe | 3 Punkte | Führerscheinentzug + MPU |
| Probezeit oder unter 21 Jahre | 250 € | 1 Punkt | Probezeitverlängerung + Aufbauseminar |
Cannabis am Steuer: Wann wird der Führerschein entzogen?
Ob bei Cannabis am Steuer der Führerscheins nur vorübergehend abgegeben werden muss oder dauerhaft entzogen wird, hängt stark vom konkreten Sachverhalt ab. Entscheidend ist, ob es sich „nur“ um einen Verstoß gegen den gesetzlichen THC-Grenzwert handelt oder ob zusätzliche Umstände wie fehlende Trennungsfähigkeit, regelmäßiger Konsum oder eine erkennbare Fahruntüchtigkeit vorliegen.Cannabis am Steuer: Wann wird der Führerschein entzogen?
Wird der gesetzliche THC-Grenzwert erstmals überschritten und liegen keine weiteren Auffälligkeiten vor, bleibt es in der Regel bei Strafe in Form von Bußgeld, Punkten und einem Fahrverbot. Die Fahrerlaubnis selbst wird dabei meist nicht sofort entzogen.Anders sieht es aus, wenn Sie wiederholt auffallen. Mehrere Verstöße können Zweifel an Ihrer Fahreignung begründen. In solchen Fällen darf die Fahrerlaubnisbehörde den Führerschein entziehen und zusätzlich eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) anordnen.
Eingeschränkte Fahrtüchtigkeit wegen Cannabis
Deutlich gravierender ist die Situation, wenn konkrete Anzeichen für eine eingeschränkte Fahrtüchtigkeit wegen Drogenkonsums festgestellt werden. Typische Hinweise sind verlangsamte Reaktionen, unsicheres oder schlangenlinienartiges Fahrverhalten, Koordinationsstörungen oder stark gerötete Augen.Wird eine solche Beeinträchtigung dokumentiert, kann bereits ein einmaliger Vorfall zum Führerscheinentzug führen. Dann geht es nicht mehr nur um eine Ordnungswidrigkeit, sondern unter Umständen um eine Straftat wegen Gefährdung des Straßenverkehrs. Die Fahrerlaubnisbehörde kann die Fahrerlaubnis sofort entziehen und eine MPU verlangen, um Ihre dauerhafte Fahreignung überprüfen zu lassen.
Wann droht eine MPU bei Cannabis am Steuer?
Eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) wird angeordnet, wenn die Fahrerlaubnisbehörde Zweifel an Ihrer Fahreignung hat. Das ist dann der Fall, wenn wiederholt Verstöße vorliegen oder der Eindruck entsteht, dass Konsum und Teilnahme am Straßenverkehr nicht zuverlässig getrennt werden.Aber auch bei einem erstmaligen Verstoß kann eine MPU drohen – etwa bei einem besonders hohen THC-Wert, bei zusätzlichem Alkoholkonsum oder wenn Sie im Straßenverkehr auffällig geworden sind.
Das sagt Rechtsanwalt Kay Stolle:
Kay Stolle
Fachanwalt aus Düsseldorf
Gesetzlicher THC-Grenzwert im Straßenverkehr: aktuelle Regelungen
Der gesetzliche THC-Grenzwert für Cannabis am Steuer wurde im August 2024 auf 3,5 Nanogramm Tetrahdydrocannabinol (THC) je Milliliter Blut angehoben. Wird dieser Wert überschritten, reagiert die Verkehrsbehörde in der Regel mit einem Bußgeldverfahren und Maßnahmen wie Punkten in Flensburg oder einem Fahrverbot. Entscheidend ist dabei nicht nur der gemessene Wert, sondern auch, ob die Fahrtüchtigkeit tatsächlich beeinträchtigt war.
Darüber hinaus gelten für bestimmte Personengruppen strengere Maßstäbe: Insbesondere in der Probezeit sowie für Fahrer unter 21 Jahren können bereits geringere THC-Konzentrationen Sanktionen auslösen, weil hier ein absolutes Drogenfahrverbot gilt. Auch bei Mischkonsum von Drogen und Alkohol oder Anzeichen von Fahrunsicherheit wird oft ohne Rücksicht auf den Grenzwert sanktioniert.
Der THC-Grenzwert als wichtige Orientierung, ersetzt aber nicht die individuelle Prüfung des Einzelfalls. Auch unterhalb des gesetzlichen Grenzwerts können Fahrerlaubnismaßnahmen und weitere Strafen drohen.
Warum wurde der THC-Grenzwert gesetzlich angehoben?
Der gesetzliche THC-Grenzwert wurde angepasst, um ihn stärker an wissenschaftlichen Erkenntnissen zur tatsächlichen Beeinträchtigung der Cannabis-Fahrtüchtigkeit auszurichten.
Eine interdisziplinäre Expertengruppe aus Medizin, Rechtswissenschaft, Verkehrspsychologie und Polizei kam zu dem Ergebnis, dass das Unfallrisiko erst ab etwa 3,5 ng/ml THC im Blutserum messbar ansteigt. Dieser Wert entspricht ungefähr einer Blutalkoholkonzentration von 0,2 Promille und markiert damit einen Bereich, in dem eine relevante Beeinträchtigung der Fahrsicherheit wahrscheinlicher wird.
Der frühere Richtwert von 1 ng/ml wurde von vielen Fachleuten als sehr niedrig bewertet. Er erfasste häufig noch bloße Restwerte nach dem Cannabiskonsum, obwohl die eigentliche Rauschwirkung und damit die akute Beeinträchtigung bereits abgeklungen war. Das führte in der Praxis dazu, dass auch Personen sanktioniert wurden, die sich subjektiv und objektiv nicht mehr berauscht fühlten.
Wie lange bleibt THC im Blut?
Wie lange THC im Blut nachweisbar ist, hängt von mehreren Faktoren ab. Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Entscheidend sind unter anderem die konsumierte Menge, die Häufigkeit des Konsums, der individuelle Stoffwechsel und der zeitliche Abstand zur Fahrt.
Grundsätzlich gilt: Nach gelegentlichem Cannabiskonsum sinkt der THC-Wert im Blutserum oft innerhalb weniger Stunden deutlich ab. Bei regelmäßigem oder täglichem Konsum kann sich THC jedoch im Körper anreichern, sodass auch Tage später noch relevante Konzentrationen messbar sind.
Besonders wichtig: Der psychoaktive Effekt kann bereits abgeklungen sein, während im Blut noch messbare THC-Werte vorliegen. Genau hier liegt das rechtliche Risiko. Denn maßgeblich ist nicht das subjektive Gefühl der Nüchternheit, sondern der objektiv gemessene Wert im Rahmen eines THC-Tests.
THC-Werte im Blut: Tabelle zur Orientierung
| Konsum | THC-Nachweis im Blut | Typischer THC-Wert |
|---|---|---|
| Einmaliger Konsum | bis zu 24 Stunden | 1–5 ng/ml |
| Gelegentlicher Konsum | bis zu 3 Tage | 2–10 ng/ml |
| Regelmäßiger Konsum | 7 bis über 30 Tage | 10–50 ng/ml (teils über 100) |
| Dauerhafter Konsum (täglich) | bis zu 4 Wochen und länger | über 150 ng/ml |
THC-Abbau-Rechner: Jetzt THC-Wert im Blut ermitteln
Mit unserem THC-Abbau-Rechner erhalten Sie eine Einschätzung, wie lange THC in Ihrem Körper voraussichtlich nachweisbar bleibt. Auf Basis Ihrer persönlichen Angaben – etwa zur Konsumhäufigkeit, Menge und körperlichen Faktoren – berechnet der Rechner einen möglichen Zeitraum für die Nachweisbarkeit in Blut-, Urin-, Speichel- und Haaranalysen.
Wichtig: Die Berechnung stellt eine individuelle Orientierung dar. Der tatsächliche Abbau von THC kann variieren.
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Welche Auswirkungen hat Cannabis auf die Fahrtüchtigkeit?
Der Konsum von Cannabis kann die Wahrnehmung, das Reaktionsvermögen und die Entscheidungsfähigkeit deutlich verändern – alles Faktoren, die für eine sichere Teilnahme am Verkehr entscheidend sind. Auch wenn sich viele Betroffene subjektiv noch „fahrtauglich“ fühlen, kann die tatsächliche Fahrtüchtigkeit durch Cannabis bereits eingeschränkt sein.
THC wirkt auf das zentrale Nervensystem. Je nach Dosis, individueller Toleranz, Konsumform und zeitlichem Abstand zur Fahrt können die Auswirkungen sehr unterschiedlich sein. Besonders problematisch ist, dass Betroffene ihre eigene Beeinträchtigung häufig unterschätzen. Folgende Auswirkungen von Cannabis auf die Fahrtüchtigkeit sind typisch:
- verlängerte Reaktionszeit
- eingeschränkte Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit
- verändertes Zeit- und Raumgefühl
- beeinträchtigte Koordination und Feinmotorik
- erhöhte Risikobereitschaft oder Fehleinschätzung von Verkehrssituationen
- Müdigkeit oder verlangsamte Informationsverarbeitung
Cannabis und Alkohol: Der Mischkonsum stellt ein großes Risiko dar
Die Kombination aus Cannabis und Alkohol gehört zu den gefährlichsten Konstellationen im Straßenverkehr. Beide Substanzen wirken dämpfend auf das zentrale Nervensystem – zusammen verstärken sie sich jedoch nicht nur, sondern können ihre Wirkung gegenseitig potenzieren. Das Unfallrisiko steigt dadurch deutlich stärker an als beim isolierten Konsum einer der beiden Substanzen.
Während Alkohol vor allem Reaktionszeit, Sehvermögen und Risikoeinschätzung beeinträchtigt, verändert Cannabis Wahrnehmung, Konzentration und Koordination. Beim Mischkonsum kommt es häufig zu folgenden Beeinträchtigungen:
- massiv verlängerter Reaktionszeit
- eingeschränkter Aufmerksamkeit
- Koordinationsstörungen
- Fehleinschätzung von Geschwindigkeit und Abstände
- erhöhter Selbstüberschätzung bei gleichzeitig verminderter Kontrolle
Typische Ausfallerscheinungen können sich dann konkret im Fahrverhalten zeigen:
- Schlangenlinien
- verpästeres Bremsen
- Übersehen von Verkehrszeichen oder Ampeln
- unsicheres Anfahren
- Auffahrunfälle
- Probleme beim Ein- und Ausparken
Aus einer offiziellen Unfallstatistik Auch körperliche Anzeichen wie verwaschene Sprache, Gleichgewichtsstörungen oder Orientierungsschwierigkeiten fallen bei Kontrollen auf.
Drogen am Steuer: Straftat oder Ordnungswidrigkeit?
Ob Drogen am Steuer als Ordnungswidrigkeit oder als Straftat verfolgt werden, hängt entscheidend vom konkreten Verhalten und den festgestellten Auswirkungen ab. Maßgeblich ist, ob „nur“ ein messbarer Wirkstoffwert vorliegt – oder ob zusätzlich eine Fahruntüchtigkeit nachweisbar ist.
Ordnungswidrigkeit nach § 24a StVG
Eine Ordnungswidrigkeit nach § 24a StVG liegt in der Regel vor, wenn der gesetzliche THC-Grenzwert von 3,5 ng/ml im Blutserum überschritten wurde, ohne dass konkrete Ausfallerscheinungen festgestellt werden konnten.In diesen Fällen geht es rechtlich nicht um eine nachgewiesene Fahruntüchtigkeit, sondern um das Fahren unter Wirkung eines berauschenden Mittels. Die Folge ist typischerweise eine Cannabis am Steuer-Strafe in Form von Bußgeld, Punkten und Fahrverbot.
Straftat nach § 316 StGB
Deutlich gravierender ist die Lage, wenn Anzeichen einer drogenbedingten Fahruntüchtigkeit vorliegen. Eine Straftat kommt insbesondere dann in Betracht, wenn:- deutliche Ausfallerscheinungen festgestellt werden (z. B. unsicheres Fahrverhalten, verlangsamte Reaktionen),
- andere Verkehrsteilnehmer konkret gefährdet wurden oder
- es zu einem Verkehrsunfall kam.
Dann greift § 316 StGB (Trunkenheit im Verkehr) – mit entsprechend verschärften Konsequenzen.
Drogen am Steuer: Was droht im Strafverfahren?
Wird wegen Drogen am Steuer ein Strafverfahren eingeleitet, drohen deutlich schwerwiegendere Folgen als bei einer bloßen Ordnungswidrigkeit. Möglich sind unter anderem:
- Entzug der Fahrerlaubnis für mindestens mehrere Monate (regelmäßig mit Sperrfrist)
- 2 bis 3 Punkte im Fahreignungsregister
- Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr (§ 316 StGB)
Zusätzlich kann die Fahrerlaubnisbehörde eine MPU anordnen, bevor eine Neuerteilung der Fahrerlaubnis überhaupt in Betracht kommt.
Cannabis am Steuer in der Probezeit: Was gilt für Fahranfänger?
Für Fahranfänger gelten besonders strenge Regeln. Wer sich in der Probezeit befindet oder das 21. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, unterliegt einem absoluten Drogenverbot.
Das bedeutet: Der nachweisbare Konsum von Cannabis kann Konsequenzen haben – unabhängig davon, ob der gesetzliche THC-Grenzwert von 3,5 ng/ml überschritten wurde. Rechtlich handelt es sich um einen sogenannten A-Verstoß (schwerwiegender Verstoß).
Neben den üblichen Sanktionen aus dem Bußgeldkatalog 2026 (Bußgeld, Punkte, Fahrverbot) wird der Verstoß gegen das Drogenverbot mit einer Verlängerung der Probezeit von zwei auf vier Jahre und einem kostenpflichtigen Aufbauseminar geahndet.
Ist Autofahren mit medizinischem Cannabis erlaubt?
Bei ärztlich verordnetem, medizinischem Cannabis dürfen Sie nur dann ein Fahrzeug führen, wenn Sie sich fahrtüchtig fühlen und objektiv in der Lage sind, sicher am Straßenverkehr teilzunehmen.
Rechtlich gilt: Wer Cannabis als Medikament einnimmt, begeht nicht automatisch eine Ordnungswidrigkeit nach § 24a StVG. Voraussetzung ist jedoch, dass das Medikament bestimmungsgemäß eingenommen wird und keine rauschbedingte Beeinträchtigung vorliegt.
Kommt es zu auffälligem Fahrverhalten, Ausfallerscheinungen oder gar zu einem Unfall, kann die Situation neu bewertet werden. Dann drohen unter Umständen dieselben Konsequenzen wie bei nicht verschriebenem Cannabis am Steuer – bis hin zu Fahrerlaubnismaßnahmen.
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Tipp: Klären Sie im Vorfeld mit Ihrem behandelnden Arzt, ob und unter welchen Bedingungen Sie trotz medizinischem Cannabis Auto fahren dürfen. Lassen Sie sich die Einnahme und medizinische Notwendigkeit schriftlich bestätigen und führen Sie diese Bescheinigung bei Fahrten mit.
Cannabis am Steuer: Wie wird THC nachgewiesen?
Wenn der Verdacht besteht, dass Sie unter Cannabis am Steuer unterwegs sind, greifen Polizei und Behörden auf unterschiedliche Testmethoden zurück. Ziel ist es, den Drogenkonsum und insbesondere den aktuellen THC-Wert im Körper festzustellen. Entscheidend für die spätere rechtliche Bewertung ist dabei vor allem die Blutuntersuchung, da nur sie eine gerichtsfeste Bestimmung des THC-Werts im Blut ermöglicht.
THC-Test durch die Polizei
Im Rahmen einer Verkehrskontrolle kann die Polizei bei Verdachtsmomenten einen sogenannten Drogenschnelltest (THC-Test) anbieten. Ein solcher Verdacht kann sich etwa aus geröteten Augen, verlangsamten Reaktionen, unsicherem Fahrverhalten oder widersprüchlichen Angaben ergeben.Der Schnelltest erfolgt meist in Form eines Speicheltests und liefert innerhalb weniger Minuten ein vorläufiges Ergebnis.
Wichtig zu wissen: Dieser Test dient lediglich als Indiz. Er misst nicht den exakten THC-Wert im Blut, sondern reagiert auf Abbauprodukte oder Wirkstoffe im Körper. Ein positives Ergebnis führt in der Regel dazu, dass eine Blutentnahme angeordnet wird.
Blutuntersuchung
Die Blutuntersuchung ist das zentrale Beweismittel bei Cannabis am Steuer. Nur sie erlaubt eine genaue Bestimmung des aktiven THC-Gehalts im Blutserum und damit die Feststellung, ob der gesetzliche Grenzwert überschritten wurde. Das entnommene Blut wird in einem spezialisierten Labor analysiert, das den Wert in Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) ausweist.Dieser Wert bildet die Grundlage für die rechtliche Einordnung – also ob eine Ordnungswidrigkeit nach § 24a StVG oder unter Umständen sogar eine Straftat vorliegt. Auch für mögliche Fahrerlaubnismaßnahmen ist das Ergebnis der Blutprobe maßgeblich.
Urintest
Urintests spielen vor allem im Zusammenhang mit einer MPU (Medizinisch-Psychologischen Untersuchung) eine Rolle. Anders als bei einer Verkehrskontrolle geht es hier nicht um die Feststellung einer akuten Fahruntüchtigkeit, sondern um die Frage, ob ein früherer oder fortgesetzter Konsum von Cannabis vorliegt.Im Urin wird in der Regel nicht das aktive THC gemessen, sondern das Abbauprodukt THC-COOH. Dieses kann – je nach Konsumverhalten – noch Tage bis Wochen nach dem letzten Konsum nachweisbar sein. Der Test gibt daher keinen Aufschluss darüber, ob Sie zum Zeitpunkt einer konkreten Fahrt beeinträchtigt waren, sondern dient der Überprüfung Ihrer langfristigen Abstinenz oder Konsumkontrolle.
Ein positives Ergebnis im Rahmen der MPU kann erhebliche Konsequenzen haben. Es kann Zweifel an Ihrer dauerhaften Fahreignung begründen und dazu führen, dass die MPU nicht bestanden wird. In der Folge wird die Fahrerlaubnis nicht neu erteilt oder bleibt weiter entzogen. Wer sich auf eine MPU vorbereitet, sollte daher die Nachweiszeiten und die Anforderungen an Abstinenznachweise genau kennen.
Muss ich einen THC-Test machen?
Einen freiwilligen Drogenschnelltest – etwa einen Speicheltest – müssen Sie grundsätzlich nicht durchführen. Sie haben das Recht, die Mitwirkung daran zu verweigern.Anders verhält es sich bei der Blutentnahme: Besteht ein entsprechender Anfangsverdacht, kann sie angeordnet werden. Seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2017 – mit der das Strafverfahren praxisnäher ausgestaltet wurde – ist dafür in vielen Fällen keine vorherige richterliche Entscheidung mehr erforderlich.
Unabhängig davon sollten Sie wissen, dass Ihre Mitwirkung oder Verweigerung allein nicht als Schuldeingeständnis gewertet werden darf. Entscheidend ist letztlich das Ergebnis der Blutuntersuchung.
Im Zusammenhang mit einer MPU ist die Situation anders gelagert. Werden dort Abstinenznachweise verlangt (z.B. durch einen Urintest), sind diese faktisch Voraussetzung für eine positive Begutachtung. Der THC-Test ist zwar nicht zwangsweise durchsetzbar – verweigern Sie jedoch den geforderten Test, gilt die MPU als nicht bestanden. Ohne entsprechenden Nachweis wird die Fahrerlaubnis nicht neu erteilt.
THC-Schnelltest für Zuhause: Was leisten Selbsttests?
Frei verkäufliche THC-Schnelltests (Speichel- oder Urintests) können eine erste Orientierung geben, ob noch Cannabis im Körper nachweisbar ist. Sie eignen sich jedoch nur für eine grobe Einschätzung und sind nicht gerichtsfest.Maßgeblich für ein Verfahren ist allein eine laborgestützte Blutuntersuchung. Ein negatives oder positives Ergebnis aus einem Selbsttest schützt daher nicht vor rechtlichen Konsequenzen.
Unfall wegen Cannabis am Steuer: Zahlt die Versicherung?
Kommt es zu einem Unfall unter dem Einfluss von Cannabis am Steuer, übernimmt die Kfz-Haftpflichtversicherung in der Regel zunächst den Schaden des Unfallgegners. Sie ist gesetzlich verpflichtet, berechtigte Ansprüche Dritter zu regulieren – auch wenn der Fahrer unter THC-Einfluss stand.
Allerdings kann die Versicherung anschließend Regress fordern und einen Teil der ausgezahlten Summe vom Versicherten zurückverlangen. Je nach Schwere des Verstoßes und Vertragsbedingungen können dabei erhebliche Beträge auf Sie zukommen.
Anders sieht es bei der Vollkaskoversicherung aus, die den eigenen Fahrzeugschaden abdeckt. Wird Ihnen grobe Fahrlässigkeit oder eine Fahruntüchtigkeit unter Drogen nachgewiesen, kann der Versicherer seine Leistung kürzen oder im Extremfall vollständig verweigern.
Wann lohnt sich ein Einspruch bei Cannabis am Steuer?
Ein Bußgeldbescheid oder eine Strafanzeige wegen Cannabis am Steuer wirkt für viele Betroffene zunächst eindeutig. Doch nicht jeder Vorwurf ist rechtmäßig. Gerade im Bereich von THC-Messungen kommt es häufig auf Details an. Ein Einspruch kann sich lohnen, wenn:
- Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Kontrolle bestehen,
- der Bluttest formale Fehler aufweist,
- der gemessene THC-Wert nahe am Grenzwert liegt,
- zusätzlich eine MPU oder der Entzug der Fahrerlaubnis droht.
Für den Einspruch gelten kurze Fristen: Sie haben nur 14 Tage Zeit nach Zustellung des Bußgeldbescheids. Wer unsicher ist, sollte frühzeitig einen Anwalt für Verkehrsrecht konsultieren.
Fazit
Auch nach der Legalisierung gilt: Konsum ist erlaubt, berauschtes Fahren nicht. Maßgeblich ist der gesetzliche Grenzwert von 3,5 ng/ml, doch unterhalb des Grenzwerts können bei Ausfallerscheinungen Konsequenzen drohen. Die Folgen reichen von Bußgeld und Fahrverbot bis zum Entzug der Fahrerlaubnis und einer MPU. Für Fahranfänger in der Probezeit und alle unter 21 Jahren gilt überdies ein absolutes Drogenverbot am Steuer.
Entscheidend sind immer der konkrete Messwert, das Fahrverhalten und mögliche Zusatzumstände wie Mischkonsum oder Wiederholungstaten. Zudem können formale Fehler bei Kontrolle oder Blutentnahme eine Rolle spielen.
Wer betroffen ist, sollte Fristen beachten und den Bescheid rechtlich prüfen lassen. Eine frühzeitige Beratung kann klären, ob ein Einspruch sinnvoll ist und wie sich schwerwiegende Fahrerlaubnismaßnahmen vermeiden lassen.
Ihnen drohen Bußgeld, Punkte oder Fahrverbot?
*Laut einer Studie sind 56 % der Bußgeldbescheide fehlerhaft.
Die häufigsten Fragen zu Cannabis am Steuer
Welche Strafe droht bei Cannabis am Steuer? +
Beim erstmaligen Überschreiten des gesetzlichen Grenzwerts von 3,5 Nanogramm pro Milliliterl THC im Blutserum drohen in der Regel 500 Euro Bußgeld, 2 Punkte in Flensburg und 1 Monat Fahrverbot. Bei Wiederholung steigen Bußgeld und Fahrverbot deutlich an. Kommen Ausfallerscheinungen oder ein Unfall hinzu, drohen Führerscheinentzug und Geld- oder Freiheitsstrafe.
Darf ich mit 3,5 ng/ml noch Auto fahren? +
Nein, mit exakt 3,5 Nanogramm pro Milliliterl THC im Blutserum dürfen Sie nicht Auto fahren. Dieser Wert gilt als Grenzwert, der bei Überschreitung oder Erreichen eine Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit vermutet – vergleichbar mit 0,5 Promille Alkohol.
Bei welchem THC-Wert ist der Führerschein weg? +
Ein einmaliger Verstoß knapp über dem Grenzwert führt meist „nur“ zu einem Fahrverbot. Der dauerhafte Entzug der Fahrerlaubnis droht insbesondere bei wiederholten Verstößen, sehr hohen THC-Werten oder nachgewiesener Fahruntüchtigkeit. Dann kann die Fahrerlaubnisbehörde die Fahreignung verneinen und eine MPU anordnen.
Wann muss ich nach Cannabiskonsum eine MPU machen? +
Eine MPU wird häufig angeordnet, wenn Zweifel an Ihrer Trennungsfähigkeit bestehen – also daran, dass Sie Konsum und Fahren zuverlässig trennen. Das betrifft vor allem Wiederholungstäter, Mischkonsum mit Alkohol oder Fälle mit Ausfallerscheinungen. Auch bei sehr hohen THC-Werten kann eine MPU verlangt werden.
Kann ich eine MPU wegen Drogenkonsums umgehen? +
Eine MPU lässt sich nicht einfach „umgehen“, wenn sie von der Behörde rechtmäßig angeordnet wurde. Ohne erfolgreiche MPU wird die Fahrerlaubnis in der Regel nicht neu erteilt. In bestimmten Fällen kann jedoch geprüft werden, ob die Anordnung rechtlich angreifbar ist – hier ist eine individuelle juristische Prüfung sinnvoll.
Wann ist Cannabis am Steuer strafbar? +
Cannabis am Steuer ist strafbar, wenn eine drogenbedingte Fahruntüchtigkeit vorliegt – etwa durch erkennbare Ausfallerscheinungen, Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer oder einen Unfall (§ 316 StGB). Dann drohen Geld- oder Freiheitsstrafe, Punkte und der Entzug der Fahrerlaubnis.
Welche THC-Grenzwerte gelten im Ausland? +
Die THC-Grenzwerte unterscheiden sich je nach Land erheblich. Einige Staaten verfolgen eine Null-Toleranz-Politik, andere arbeiten mit festen Grenzwerten wie in Deutschland.
Grnezwerte von ausgewählten Ländern
Portugal: 6,0 ng/ml
Niederlande: 5,0 ng/ml (bei Mischkonsum 1,0 ng/ml)
Polen, Großbritannien, Tschechien: 4,0 ng/ml
Dänemark, Frankreich, Griechenland: 2,0 ng/ml
Belgien: 1,0 ng/ml
Italien und Spanien: Nulltoleranz
* Studie der VUT Sachverständigengesellschaft mbH & Co. KG, Januar 2013
Quellen & weiterführende Hinweise
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§ 24a StVG – 0,5-Promille-Grenze und Drogen im Straßenverkehr
Gesetzliche Grundlage zur Ahndung von Ordnungswidrigkeiten bei Alkohol- und Drogenfahrten.
-
§ 316 StGB – Trunkenheit im Verkehr
Strafvorschrift zur Fahruntüchtigkeit infolge Alkohol- oder Drogenkonsums.
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Gesetzesänderung 2017 – Blutentnahme bei Verdacht auf Drogen im Straßenverkehr
Regelung zur erleichterten Anordnung der Blutentnahme ohne vorherige richterliche Entscheidung.
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Bußgeldkatalog – Übersicht über Bußgelder im Straßenverkehr
Überblick zu Sanktionen bei Verkehrsverstößen, inklusive Drogenfahrten.
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Punkte in Flensburg – Fahreignungsregister
Informationen zum Punktesystem und Eintragungen im Fahreignungsregister.
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Fahrverbot – Dauer und rechtliche Folgen
Erläuterungen zu Fahrverboten bei Verkehrsverstößen.
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Einspruch gegen den Bußgeldbescheid
Informationen zu Fristen und Voraussetzungen für einen Einspruch.
-
Anhörung und zuständige Behörde
Überblick über das Anhörungsverfahren im Bußgeldverfahren.
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Fahreignungsregister – Punkte und Eintragungen
Details zum Fahreignungsregister beim Kraftfahrt-Bundesamt.
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Bußgeldbescheid – Ablauf und Inhalt
Informationen zum Aufbau und zur rechtlichen Bedeutung des Bußgeldbescheids.
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A-Verstoß in der Probezeit
Erläuterung zu schwerwiegenden Verstößen während der Probezeit.