Wer mit dem PoliScan Speed gemessen wurde, hat es mit einem der bekanntesten laserbasierten Systeme der Geschwindigkeitsüberwachung zu tun. Für Betroffene ist aber nicht nur die Modellbezeichnung wichtig, sondern die Frage, ob die konkrete Messung im eigenen Fall technisch sauber und rechtlich belastbar war.
Das System stammt vom Hersteller Vitronic und arbeitet mit LIDAR-Technologie. Dabei werden nicht nur Geschwindigkeiten, sondern im Messfeld auch Fahrzeugpositionen erfasst. Gerade weil das Gerät technisch komplex arbeitet und in sehr vielen Konstellationen eingesetzt wird, spielen im Bußgeldverfahren immer wieder Fragen zu Messbereich, Rohdaten, Zuordnung und Dokumentation eine Rolle.
Diese Seite erklärt verständlich, wie der PoliScan Speed funktioniert, wo er eingesetzt wird, welche Fehlerquellen diskutiert werden und wann sich eine anwaltliche Prüfung von Anhörungsbogen, Zeugenfragebogen oder Bußgeldbescheid sinnvoll sein kann.
Das Wichtigste in Kürze
- Der PoliScan Speed ist ein LIDAR-Messgerät der Firma Vitronic, das mobil und stationär eingesetzt werden kann.
- Das System kann mehrere Fahrspuren überwachen und arbeitet mit laserbasierter Laufzeitmessung, um Geschwindigkeiten und Fahrzeugpositionen im Messfeld zu bestimmen.
- Typische Streitpunkte betreffen Messbereich, Mindestabstände, Messwertbildung, Software, Zuordnung bei mehreren Fahrzeugen und die ordnungsgemäße Bedienung.
Was ist der PoliScan Speed für ein Messgerät?
Der PoliScan Speed ist ein System zur Geschwindigkeitsüberwachung des Herstellers Vitronic. Anders als klassische Radargeräte arbeitet es mit der laserbasierten LIDAR-Technologie. Über eine Laufzeitmessung eines scannenden Lasers werden Geschwindigkeiten und Positionen von Fahrzeugen im Messfeld ermittelt.
In der Praxis ist der PoliScan Speed sowohl als mobiles als auch als stationäres System bekannt. Die stationäre Variante wird von vielen Verkehrsteilnehmern als typische Blitzer-Säule wahrgenommen.
Wie funktioniert der PoliScan Speed?
Das Gerät sendet Laserstrahlen aus, die von den Fahrzeugen reflektiert werden. Aus den reflektierten Signalen berechnet das System Entfernungen, Positionen und daraus die Geschwindigkeit. Die Messung erfolgt also nicht mit Induktionsschleifen in der Fahrbahn, sondern vollständig über laserbasierte Distanz- und Zeitmessung.
Für den klassischen PoliScan Speed wird in den Unterlagen ein Messfeld beschrieben, in dem Fahrzeuge typischerweise 20 bis 50 Meter vor dem Gerät erfasst werden. Im ergänzend genannten technischen Überblick wird außerdem ein größerer Arbeitsbereich von 10 bis 75 Metern und ein Messbereich von 10 bis 320 km/h erwähnt.
Für die rechtliche Bewertung ist vor allem wichtig, welche Messdaten tatsächlich in die Messwertbildung eingeflossen sind und ob diese Daten den zulässigen Vorgaben entsprechen.
Wird der PoliScan Speed stationär oder mobil eingesetzt?
Der PoliScan Speed kann sowohl stationär als auch mobil verwendet werden. Stationäre Anlagen sind häufig als bekannte Säulen am Fahrbahnrand aufgebaut. Mobile Messungen erfolgen regelmäßig vom Stativ oder aus einem Fahrzeug heraus.
Beide Varianten sind darauf ausgelegt, mehrere Fahrspuren zu überwachen. Im technischen Überblick wird darauf hingewiesen, dass die Systeme für die Überwachung von drei Fahrspuren je Richtung ausgelegt sind.
| Einsatzform | Typischer Aufbau | Praxisrelevanz |
|---|---|---|
| Stationär | Säule oder feste Anlage am Fahrbahnrand | Bekannt als klassische Blitzer-Säule, oft dauerhaft an stark überwachten Strecken |
| Mobil | Stativ oder Einsatz aus einem Fahrzeug | Flexibler Einsatz, oft schwerer vorher erkennbar |
Was ist bei der PoliScan-Blitzer-Säule wichtig?
Bei stationären Anlagen wird oft zwischen Säulen mit drei und vier Ringen unterschieden. Säulen mit drei Ringen blitzen nach dem technischen Überblick nur in eine Fahrtrichtung. Säulen mit vier Ringen können dagegen beide Fahrtrichtungen abdecken.
Für Betroffene ist das zwar kein automatischer Einspruchsgrund, aber es hilft bei der Einordnung der Messstelle und bei der Prüfung, aus welcher Richtung und in welcher Konstellation die Messung erfolgt sein soll.
Wird der PoliScan Speed nur für Geschwindigkeit eingesetzt?
Nein. Im technischen Überblick wird darauf hingewiesen, dass Systeme der PoliScan-Familie nicht nur zur Geschwindigkeitsüberwachung eingesetzt werden, sondern teils auch zur Rotlichtüberwachung oder zur automatischen Kennzeichenlesung.
Für die hier behandelte Seite bleibt aber die Geschwindigkeitsmessung der Schwerpunkt. Wenn es um klassische Geschwindigkeitsverstöße geht, können ergänzend auch die Seiten zu Blitzer innerorts, Blitzer außerorts und der Bußgeldrechner hilfreich sein.
Was ist der Unterschied zum PoliScan M1 HP?
Neben dem klassischen PoliScan Speed spielt auch der PoliScan Speed M1 HP eine wichtige Rolle. Diese Variante ist besonders vielseitig einsetzbar und kann nach den vorliegenden Unterlagen sowohl Geschwindigkeiten als auch Abstände überwachen.
Der PoliScan M1 HP kann aus einem geparkten Fahrzeug, vom Stativ am Fahrbahnrand und auch in einem Blitzer-Anhänger eingesetzt werden. Für den Anhängereinsatz wird auf eine Entscheidung des OLG Bamberg vom 12.03.2019 verwiesen, nach der allein die Verwendung im Anhänger regelmäßig kein eigener Einspruchsgrund ist.
PoliScan Speed
Klassisches LIDAR-Messsystem für stationäre und mobile Geschwindigkeitsmessung.
PoliScan M1 HP
Variante mit vielseitigem mobilem Einsatz, auch aus Fahrzeugen oder Anhängern, zudem für Abstandskontrollen geeignet.
Welcher Toleranzabzug gilt beim PoliScan Speed?
Grundsätzlich wird beim PoliScan Speed regelmäßig derselbe Standardabzug angewendet wie bei vielen anderen Messgeräten:
3 km/h bei Geschwindigkeiten bis 100 km/h und 3 % bei Geschwindigkeiten über 100 km/h.
In Einzelfällen können Gerichte aber höhere Toleranzabzüge annehmen, wenn technische oder dokumentarische Auffälligkeiten vorliegen. Wer seine mögliche Sanktion überschlägig einordnen möchte, kann ergänzend den Bußgeldrechner verwenden.
Welche Messfehler sind beim PoliScan Speed möglich?
Gerade beim PoliScan Speed wurden in den vergangenen Jahren immer wieder mögliche Fehlerquellen diskutiert. Im Mittelpunkt stehen vor allem die konkrete Messwertbildung, die Einhaltung des vorgeschriebenen Messbereichs und die Zuordnung zwischen gemessenem Wert und fotografiertem Fahrzeug.
Mindestabstand unterschritten
In Gutachten und Gerichtsverfahren wurde problematisiert, dass Objektpunkte teils auch dann in die Messwertbildung eingeflossen sein sollen, wenn der vorgesehene Mindestabstand unterschritten war.
Zweifelhafte Messwertbildung
Mehrere Gerichte haben die technische Nachvollziehbarkeit einzelner Messungen kritisch hinterfragt, insbesondere im Zusammenhang mit Software und Rohdaten.
Mehrere Fahrzeuge auf dem Foto
Da Messung und Fotoaufnahme nicht zwingend zeitgleich erfolgen, kann die Zuordnung problematisch werden, wenn mehrere Fahrzeuge im Bild erkennbar sind.
Unsachgemäße Bedienung
Wie bei anderen Messgeräten kommt es auch hier auf korrekten Aufbau, Eichung und die Bedienung durch geschultes Personal an.
Wie wird der PoliScan Speed von Gerichten eingeordnet?
Die Rechtsprechung ist nicht völlig einheitlich. In der obergerichtlichen Rechtsprechung wird die messtechnische Nachvollziehbarkeit grundsätzlich anerkannt. Gleichzeitig haben Untergerichte in einzelnen Verfahren gerade bei mobilen Geräten Zweifel geäußert, ob die richtige Messwertgewinnung im Einzelfall ausreichend überprüfbar ist.
Das zeigt: Es gibt keinen Automatismus in die eine oder andere Richtung. Weder ist jede PoliScan-Speed-Messung fehlerhaft, noch ist jede Messung unangreifbar. Im Verkehrsrecht kommt es deshalb regelmäßig auf eine Einzelfallprüfung an.
Welche Entscheidungen sind beim PoliScan Speed besonders wichtig?
Besonders häufig wird auf die Entscheidung des Amtsgerichts Mannheim vom 29.11.2016 verwiesen. Dort ging es um die Frage, welche Rohdaten in die Messwertbildung eingeflossen sind und ob diese mit den Vorgaben der Bauartzulassung übereinstimmen.
In den Unterlagen wird außerdem auf Entscheidungen des AG Aachen, AG Rostock, AG Jena, AG Bad Kreuznach und AG Emmendingen hingewiesen. Für Betroffene folgt daraus vor allem eines: Gerade beim PoliScan Speed kann eine anwaltliche Prüfung sinnvoll sein, wenn Messbereich, Rohdaten, Software oder Toleranzabzug fraglich erscheinen.
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Wann lohnt sich ein Einspruch gegen eine PoliScan-Speed-Messung?
Ein Einspruch lohnt sich nicht automatisch in jedem Fall. Besonders sinnvoll kann eine Prüfung aber dann sein, wenn Punkte in Flensburg, ein Fahrverbot, Probezeitfolgen oder berufliche Nachteile im Raum stehen.
Gerade beim PoliScan Speed kommt es darauf an, ob Rohdaten, Messwertbildung, Messbereich, Software und Zuordnung im konkreten Fall nachvollziehbar und belastbar sind. Wer bereits ein Behördenschreiben, einen Anhörungsbogen, einen Zeugenfragebogen oder schon einen Bußgeldbescheid erhalten hat, sollte die Sache als Gesamtverfahren prüfen lassen.
Warum sind Punkte und Fahrverbot beim PoliScan Speed besonders relevant?
Viele Betroffene sehen zuerst nur die Geldbuße. Im Verkehrsrecht sind aber oft die Nebenfolgen entscheidender. Ein einzelner Punkt kann problematisch sein, wenn bereits Eintragungen vorhanden sind. Ein Fahrverbot kann Beruf und Alltag erheblich beeinträchtigen.
Wer zusätzlich wissen möchte, wann Punkte wieder gelöscht werden, kann den Rechner Wann verfallen Punkte in Flensburg? nutzen. Für eine erste Orientierung zum Fahrverbot kann außerdem der Fahrverbot-Rechner hilfreich sein.
Fazit: Beim PoliScan Speed zählt die Einzelfallprüfung mehr als die Modellbezeichnung
Der PoliScan Speed ist ein technisch anspruchsvolles und weit verbreitetes LIDAR-Messgerät der Verkehrsüberwachung. Für Betroffene ist aber nicht nur entscheidend, dass es als modernes System gilt, sondern ob die konkrete Messung im eigenen Verfahren den technischen und rechtlichen Anforderungen standhält.
Gerade bei Diskussionen um Messbereich, Mindestabstände, Rohdaten, Software und Fahrzeugzuordnung lohnt sich oft eine genauere Prüfung. Wer früh reagiert, hat in der Regel die bessere Ausgangsposition als jemand, der erst nach Eintritt der Rechtskraft handelt.
Häufige Fragen zum PoliScan Speed
Ist der PoliScan Speed ein Radar- oder Lasermessgerät? +
Der PoliScan Speed arbeitet laserbasiert mit LIDAR-Technologie und nicht mit klassischer Radartechnik.
Kann der PoliScan Speed stationär und mobil eingesetzt werden? +
Ja. Das System gibt es als stationäre Blitzer-Säule und als mobiles Messgerät.
Welcher Toleranzabzug gilt beim PoliScan Speed? +
Regelmäßig werden 3 km/h bis 100 km/h und 3 % über 100 km/h abgezogen. Im Einzelfall können Gerichte höhere Abzüge annehmen.
Kann es beim PoliScan Speed Messfehler geben? +
Ja. Typische Punkte sind Mindestabstände, problematische Messwertbildung, mehrere Fahrzeuge auf dem Foto und unsachgemäße Bedienung.
Lohnt sich ein Einspruch gegen eine PoliScan-Speed-Messung? +
Das hängt vom Einzelfall ab. Besonders sinnvoll ist eine Prüfung häufig dann, wenn Punkte, Fahrverbot oder andere erhebliche Folgen drohen.